Neue Bauprojekte prägen die Innenstadt

Vor der Baugrube für das Galeriegebäude erläutert Sylvia Bikenstein das Gesamtkonzept für das künftige Kunstquartier Kuqua. Foto: gaf

Bei strahlendem
Sonnenschein hatten die Mitglieder unseres Ortsvereins und Gäste von Nebenan
die Gelegenheit, wichtige Bauprojekte und ihre Hintergründe aus nächster Nähe
kennenzulernen. Äußerst kenntnisreich führte Sylvia Binkenstein gut zwei
Stunden durch die Innenstadt. Die Ratsfrau und baupolitische Sprecherin der
SPD-Stadtratsfraktion beantwortete alle Fragen fachkundig und zugleich
verständlich, auch wenn die Entscheidungswege in der Stadt nicht immer einfach
sind.

Startpunkt war der
Wochenmarktplatz, der bis zum Jahr 2022 vor allem für die marktfreien Zeiten
deutlich an Aufenthaltsqualität gewinnen soll. Nach einem Ideenwettbewerb, aus
dem ein Fachbüro in Hannover siegreich hervorging, steht nun fest, dass mehr
Begrünung, attraktivere Zugänge zum Platz von allen Seiten ebenso den Platz zum
Stadterlebnis machen werden wie die Möglichkeit, sich hier auch dann aufzuhalten,
wenn man nicht in ein Lokal einkehren will. Eine wesentliche Verbesserung geht
auch von der Verlegung des Eingangs zum Jungen Theater in Richtung Marktplatz
aus.

Wenig einladend: der Robert-Gernhardt-Platz und der Waageplatz an der alten Mühle.

Prominentestes Projekt der
Stadt und des Stadtrundgangs ist das Kunstquartier Kuqua, in dessen Mittelpunkt
ein Galeriegebäude steht, dessen Baugrube inzwischen fertiggestellt ist. Aber
Vorsicht: „Das Kuqua ist viel mehr als dieses eine Gebäude. Es ist der Anker
für mehr“, betont Sylvia Binkenstein. Bestehende Gebäude des Quartiers werden
begrünt, neue Wegebeziehungen entstehen mittels neuer Durchgänge. Das
Zumthor-Gebäude an der Ecke Düstere Straße / Turmstraße konnte bisher noch
nicht begonnen werden, weil Nachbarschaftsvereinbarungen fehlen. Für die
Galerie wurde bereits eine Kuratorin eingestellt, die frühzeitg attraktive
Ausstellungen plant.

In der nördlichen Innenstadt ist die alte Mühle ein Dauerbrenner, der bislang nicht gelöst werden konnte. Gleich nebenan wirken der „Leinebogen“ und der Waageplatz wenig einladend. Der ehemalige Knast sollte ein Hostel werden, doch die ersehnten Fördermittel wurden nicht bewilligt. Beim Städtischen Museum bleibt die SPD-Fraktion im Rat bei ihrer Auffassung, dass die vorhandenen Gebäude für ein wirklich attraktives Stadtmuseum ungeeignet sind. Der Albaniplatz, der im Zuge der Stadthallensanierung mit seinem bis zum Deutschen Theater reichenden Umfeld grundlegend umgestaltet wird, wäre eine gute Neubau-Alternative, meint Binkenstein. Auf jeden Fall wird der Albani-Platz mittels Tiefgarage autofrei, so dass auch hier ein Platz entsteht, auf dem Veranstaltungen ausgerichtet werden können oder die Bürger einfach mal den Stadtraum genießen können.

Die Sparkasse verlässt die Innenstadt. Folgen sollen Gewerbe und Wohnen.

Bliebe noch das Gothaer-Haus, das von einer Düsseldorfer Gesellschaft abgerissen und neugebaut werden soll. 9000 Quadratmeter Gewerbeflächen und 4000 Quadratmeter Wohnungen sind geplant, allerdings bei vollständiger Überbauung des Grundstücks. Fahrradabstellplätze bringen da wohl nicht die gewünschte Kapitalrendite. Der Rundgang endete vor dem gegenwärtigen Hauptsitz der Sparkasse, der in Kürze an das Groner Tor verlegt wird. Die Planungen für die Nachfolgenutzung sehen Gewerbeflächen an der Weender Straße und hochwertige Wohnungen im Inneren des Komplexes vor. Dass die Sparkasse Göttingen künftig keinen personenbedienten Schalter mehr unterhalten will, stößt auf die entschiedene Kritik der SPD. „Über die Wünsche der Öffentlichkeit an die Ausgestaltung des Areals wird ebenfalls noch zu reden sein“, stellte Sylvia Binkenstein fest. gaf

Noch ein Platz, der unseren Anforderungen überhaupt nicht entspricht: der Parkplatz an der Paulinerkirche. Wenigstens ein Teil davon soll demnächst Spielplatz werden. gaf