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Vom rechten Rand zur Mitte


Förderverein der Jusos diskutiert FES-Studie

 

Wer in den vergangenen Jahren an den

Anti-NPD-Demonstrationen teilgenommen

hat, wird bemerkt haben, dass die

SPD hier vor Ort mit den Jusos eine Jugendorganisation

hat, die sich aktiv am

Kampf gegen den Faschismus beteiligt:

Mit vielen Aktiven und bunten Plakaten

mit provozierenden Statements treffen

wir regelmäßig den Nerv unserer Generation,

während es andere Parteien

und ihre Jugendorganisationen nicht für

notwendig erachten, zur Gegendemonstration

aufzurufen.

Einmal jährlich lädt der Vorstand des

Fördervereins, bestehend aus der Vorsitzenden

Gabi Andretta und den StellvertreterInnen

Uschi Birsl und Günther

Blümel, die Mitglieder ein und diskutiert

ein aktuelles politisches Thema. Zu Gast

in diesem Jahr: Dr. Cornelius Schley. Er

referierte über die Ergebnisse der Studie

„Vom Rand zur Mitte: rechtsextreme

Einstellung und ihre Einflussfaktoren in

Deutschland“. Friedrich-Ebert-Stiftung, zu

finden auf www.fes.de.

Es gebe, so Conny Schley, eben nicht nur

die von uns (zu Recht) bekämpften Neo-

Nazis, die ihre menschenverachtende

Gesinnung offen zur Schau stellen und

auch ein hohes Gewaltpotential in sich

tragen. Die FES-Studie macht deutlich,

dass über die von uns als Extremisten

bezeichneten Personenkreise hinaus

rechtsextremistische, chauvinistische

und antisemitische Ansichten weit in die

Gesellschaft hinein existieren. 11 % aller

Befragten meinten etwa, der Nationalsozialismus

hätte auch seine guten Seiten

gehabt und Hitler wäre auch heute noch

ein großer Staatsmann, wäre da nicht die

Judenvernichtung gewesen. Und überhaupt,

die Juden: 17,8 % der Deutschen

halten ihren Einfluss für „zu groß“, über

13 % halten sie für eigentümlich und unterstellen

ihnen per se, mit „üblen Tricks“

zu arbeiten. Die größte Zustimmung in

der Bevölkerung finden aber ausländerfeindliche

Aussagen: 37 % der Befragten

halten sie für „Sozialschmarotzer“, fast

40 % sehen die Bundesrepublik als „in

einem gefährlichem Maß überfremdet“.

Zusammenfassend sind laut FES-Studie

26,7 % der Befragten ausländerfeindlich

eingestellt! Wer jetzt immer noch meint,

Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit

seien eine Randerscheinung, noch

dazu eine typisch ostdeutsche, dem zeigt

die Auswertung der Studie, dass die Werte

zwischen Ost- und Westdeutschland

sich kaum unterscheiden. Und bei uns in

Niedersachsen sind es 31,4 % der Bevölkerung,

die ausländerfeindlich eingestellt

sind, übrigens mehr als in Sachsen oder

Thüringen.

Conny Schley referierte über die Ursachen

dieser gesellschaftlich stark verbreiteten

Ansichten, die sich aus der Studie nur

zum Teil ergeben. Dennoch, signifikant

ist die zum Teil durch andere Studien

bereits belegte Tatsache, dass rechtsextremistische,

chauvinistische und ausländerfeindliche

Einstellungen massiv

mit dem erzielten Bildungsabschluss der

Befragten zusammenhängen sowie dem

aktuellen Erwerbsstatus und der (teilweise

nur gefühlten) sozialen, wirtschaftlichen

und politischen Randstellung bzw.

Machtlosigkeit des Einzelnen als auch

Zukunfts(abstiegs-)ängsten. Die für die

Anwesenden Fördervereinsmitglieder

allgemein schockierendste Tatsache war

wohl jedoch, dass 26,5 % derjenigen mit

ausländerfeindlichem Weltbild Wählerinnen

und Wähler der SPD sind.

Christian Henze



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