RatsfraktionUnterbezirkStadt Göttingen


 Startseite

 Stadtverband

 Ratswahl 2011

 Ortsvereine

 Positionen

 druck.punkt

 Ausgaben

 Presse

 Termine

 Kontakt

 Mitglied werden

 Impressum

Gegen das Vergessen - 75 Jahre nach der Zerschlagung der Göttinger Sozialdemokratie



Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde,

 

in vielen Medien finden wir zur Zeit Berichte und Analysen über die Geschehnisse des Jahres 1933. Fernsehberichte, Diskussionsrunden und Zeitungsartikel thematisieren die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, den Brand des Reichstags und daraus resultierende Verfolgungen, das Ermächtigungsgesetz und den sozialdemokratischen Widerstand dagegen und nicht zuletzt die Bücherverbrennung.

Wie ich finde, zu Recht: Denn ein Volk, das seine Geschichte vergisst, ist verdammt dazu sie zu wiederholen.

 

Bundesweite Geschehnisse bleiben dabei natürlich auch lokal nicht ohne Widerhall; so spiegeln sich all jene Erinnerungen an das Jahr 1933 in der Göttinger Stadtgeschichte. Nationalsozialistische  Politik hatte in Göttingen eine starke Wirkung, denn schon früh gewann die NSDAP hier Mehrheiten. Nach Gründung der NSDAP-Ortsgruppe im Jahr 1922 wurde Göttingen schnell zu einer Nazi-Hochburg im norddeutschen Raum, deren NSDAP-Wahlergebnisse immer weit über dem Reichsschnitt lagen.

 

Mit diesen Ergebnissen wurde am 24. März 1933 der Theaterplatz in Adolf-Hitler-Platz umbenannt; einige Tage später, am 19. April, bekam Hitler sogar die Ehrenbürgerwürde der Stadt verliehen.

 

Im Januar 1932 begannen die Nationalsozialisten, die öffentlichen Veranstaltungen der SPD zu stören; ein Demonstrationszug von 900 SozialdemokratInnen und GewerkschafterInnen am 15. Februar gegen die Ernennung Hitlers wurde massiv bedroht. Im Februar wurde das sozialdemokratische „Volksblatt“ wegen „böswillige(r) Verächtlichmachung der Reichsregierung“ vorübergehend verboten, nach dem Reichstagsbrand wurden seine Redaktionsräume durchsucht und sämtliche Plakate und Flugblätter der SPD beschlagnahmt.

 

Zentraler Ort des Widerstands war damals das Volksheim im Maschmühlenweg. Es war das Kommunikations- und Aktionszentrum der Göttinger Arbeiterbewegung, welches im Jahr 1921 von Gewerkschaften und SPD gemeinsamen geschaffen wurde. Die Volksblatt-Druckerei befand sich in einem Nebengebäude, welches drei Jahre später ergänzt wurde.

 

1933 nahmen die Aktivitäten der SPD ein jähes Ende: Am 7. April wurden fünf sozialdemokratische Bürgervorsteher verhaftet, ihre Wohnungen wegen des „dringlichen Verdachts der Beteiligung an hochverräterischen Umtrieben“ durchsucht. Am 26. April besetzte die SA das Volksheim, demolierte die Einrichtung, zog aber nach einer Durchsuchung wieder ab. Nicht so am 2. Mai, dem Tag, an dem reichsweit Aktionen gegen die Gewerkschaften stattfanden. In Göttingen wurden ihre Akten und ihr Vermögen beschlagnahmt, in den Folgetagen wurden SPD-Bürgervorsteher zusammen mit Gewerkschaftsführern durch die Straßen zum Volksheim geführt und im Keller des Hauses schwer gefoltert.

 

Daran haben wir am 2. Mai 2008 mit der Enthüllung einer Gedenktafel am Gebäude der ehemaligen Volksblatt-Druckerei im Maschmühlenweg erinnert. Als Ergänzung zum im Mai 1990 eingeweihten Gedenkstein vor dem Volksheim soll sie an die Geschichte des Volksblattes und der Göttinger SPD erinnern.

 

Erschütternde Einblicke bot auch die von Frank Möbus und Friederike Schmidt-Möbus organisierte Ausstellung „… und Euch zum Trotz!“, die die Bücherverbrennung in Göttingen in den Fokus rückte. Mit eindrucksvollen Zeitdokumenten, Originalausgaben verbrannter Bücher und „Entarteter Kunst“ aus dem Willy-Brandt-Haus wurde Geschichte erlebbar gemacht.

 

Genau solche Dinge sind es, die wir gegen das Vergessen brauchen; als Grundstein dafür, dass Fehler der Vergangenheit sich nicht wiederholen. Ihr und Euer Stefan Christmann



Druckansicht
Kontakt
Mailinglisten
Sitemap



























 

© SPD-Stadtverband Göttingen 2008 - Impressum