Beide Wahlkreise direkt gewonnen - aber kein Wechsel im Land
was war das für ein Wahlabend! Irgendwie hatten wir ja geahnt, dass es für einen Wechsel in Niedersachsen nicht reichen würde – als Wahlkämpferin oder Wahlkämpfer hofft man aber doch bis zur letzten Minute, bis zum Moment der Wahrheit. Der fiel diesmal traurig aus: Mit nur 30,3% hat die Sozialdemokratie ein historisch schlechtes Ergebnis in ihrem einstigen Stammland eingefahren.
Bei einem solchen Ergebnis stand zu vermuten, daß wir die Wahlkreise Göttingen-Stadt und Göttingen-Münden nicht gewinnen könnten. Um so freudiger wurden deshalb die lokalen Zahlen aufgenommen: Gabi Andretta hat ihren Gegenkandidaten von der CDU mit sechs Prozentpunkten abgehängt, Ronald Schminke den Seinigen sogar mit zehn Prozentpunkten Abstand deklassiert.
Und das bei diesem Landestrend!
Ich denke: Auf dieses Ergebnis können wir alle mehr als stolz sein. Es zeigt, dass wir in Göttingen alles richtig gemacht haben, dass wir mit unserer Kandidatin und unserem Kandidaten genau die richtigen Charaktere für die beiden Wahlkreise gefunden haben. Gabi und Ronald, herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg bei eurer Arbeit!
Liebe Genossinnen und Genossen, ihr alle habt euren Anteil zu diesem Erfolg getan. Ihr habt bei Eiseskälte Stunde um Stunde Flugblätter verteilt, euch bei Regen mit Infoständen auf die Straße gestellt und um jede Stimme gekämpft. Dafür möchte ich euch recht herzlich danken! Einen Wahlkampf wie diesen kann unsere Partei nur führen, weil sie so engagierte und motivierte Mitglieder hat. Ein besonderer Dank geht an die drei Wahlkampfmanager, die auf Stadtgebiet tätig waren: Kevin Archut, Christian Henze und Marcel Riethig. Die drei waren Tag und Nacht für ihre KandidatInnen und die Partei unterwegs und haben sich nun erstmal Erholung verdient.
Auch wenn wir die Wahl in Göttingen gewonnen haben, können wir uns auf diesem Ergebnis nicht ausruhen. Wir werden auswerten, wo wir Stimmen an andere Parteien verloren haben und wie wir diese Wählerinnen und Wähler beim nächsten Mal wieder für uns gewinnen können.
Ein fader Beigeschmack bleibt zusätzlich, denn Göttingen ist nun nicht mit einem einzigen Landtagsabgeordneten in den Regierungsfraktionen vertreten. Dass es in Göttingen nun keinen CDUAbgeordneten mehr gibt, beweist, dass Wählerinnen und Wähler auf die Leistung von Abgeordneten achten, und es spiegelt nun endlich auch die Stärke der Vertretung unserer Göttinger Interessen in der Landesregierung wider. Hier besteht aber ein großes Problem: Alle Organisationen, die Mittel aus Hannover empfangen, haben nun noch nicht einmal mehr einen Ansprechpartner aus den Regierungsfraktionen vor Ort.
Mit Interesse vernommen haben wir daher die Ansage eines CDU-Abgeordneten aus einem Nachbarwahlkreis, dass er nun Anwalt Göttingens sein wolle. Wie weit seine Vertretungskraft jedoch über das Eichsfeld und seinen Wahlkreis hinaus reichen wird, bleibt abzuwarten.
Derweil stellen sich die Genossinnen und Genossen in Hannover zu Recht die Frage nach den Ursachen. Dies wird uns sicher auch auf dem nächsten Landesparteitag beschäftigen. Das Göttinger Ergebnis beweist zumindest: Die Themen, mit denen wir angetreten sind, waren die richtigen. Wir werden auch weiterhin für mehr soziale Gerechtigkeit, für Lernmittelfreiheit, Mindestlohn und die Abschaffung von Studiengebühren eintreten. Wenn unsere Landespartei das auch konsequent tut und sich personell neu aufstellt, dann bleibt bei der nächsten Landtagswahl nur eine Emotion: Freude über den Sieg.
Euer Stefan
